Warum ich jetzt sichtbar werde, obwohl noch nicht alles perfekt ist
- Iria Lacarta

- 21. März
- 3 Min. Lesezeit
Ich habe lange gewartet.
Nicht weil ich nichts zu sagen gehabt hätte. Sondern weil ich dachte, ich müsste erst bereit sein. Klarer. Sicherer. Weiter. Bis ich gemerkt habe, dass dieses Warten selbst eine Entscheidung ist. Sichtbarkeit beginnt für mich nicht online. Sie beginnt innen. In dem Moment, in dem man aufhört, sich selbst ständig zurückzuhalten. In dem Moment, in dem man sich erlaubt, ernst zu nehmen, was in einem lebt. In dem Moment, in dem man nicht länger wartet, bis jede Unsicherheit verschwunden ist.
Denn Unsicherheit verschwindet oft nicht zuerst. Oft wächst zuerst nur der Mut.
Ich bin über 40. Und ich glaube, dass das für viele Menschen in meiner Altersgruppe ein stiller, aber echter Faktor ist. Nicht weil wir nichts mehr wollen. Nicht weil wir nichts mehr können. Sondern weil wir anders geprägt wurden.
Viele von uns haben früh gelernt, vorsichtig zu sein. Sich erst sicher zu fühlen, bevor man etwas wagt. Sich lieber nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Nicht zu laut. Nicht zu viel. Nicht zu auffällig. Und das sitzt oft tiefer, als man denkt.
Ich merke das, wenn ich meine Kinder beobachte. Sie wachsen mit einer ganz anderen Selbstverständlichkeit auf – mit Smartphones, Social Media, digitalen Räumen, in denen Sichtbarkeit einfach dazugehört. Sie trauen sich früher. Ungefilterter. Weniger verkopft. Natürlich bringt ihre Generation wieder ganz andere Herausforderungen mit sich. Aber ich sehe bei ihnen etwas, das mich berührt: diese grössere innere Erlaubnis, sich zu zeigen, noch bevor alles perfekt ist.
Ich sage das nicht als Klage. Sondern als Beobachtung. Und als Einladung.
Vielleicht dürfen auch wir das neu lernen. Nicht gleich so ungehemmt. Nicht auf dieselbe Art. Aber auf unsere eigene. Mit mehr Mut. Mit etwas weniger Scham. Und mit der Erlaubnis, nicht erst perfekt sein zu müssen, um da zu sein. Sichtbar zu werden bedeutet für mich heute nicht, eine perfekte Version von sich zu zeigen. Es bedeutet, ehrlicher zu werden. Klarer. Näher an das, was man wirklich sagen, leben oder aufbauen will.
Vielleicht ist genau das die Art von Sichtbarkeit, die bleibt.
Warum dieser Beitrag ein Anfang ist
Dieser Beitrag ist mehr als nur ein Text auf einer Webseite.
Er ist ein Anfang. Ein bewusster erster Schritt. Ein Zeichen an mich selbst, dass ich nicht länger darauf warten will, bis alles makellos ist. Und vielleicht auch ein Zeichen an andere, die sich in diesen Gedanken wiederfinden. An Menschen, die spüren, dass etwas in ihnen wachsen will, aber immer noch glauben, sie müssten zuerst perfekter, mutiger, klarer oder weiter sein.
Vielleicht nicht.
Vielleicht darfst du auch anfangen, während noch nicht alles fertig ist. Vielleicht darfst du sichtbar werden, während dein Weg noch im Entstehen ist. Vielleicht ist genau das sogar der beste Anfang.
Und ja, ich merke selbst, dass ich zu diesem Thema noch sehr viel mehr zu sagen hätte. Aber dieser Blog soll kein Buch werden. Wobei (wenn ich so darüber nachdenke) genau dort fangen Bücher ja manchmal an.
Was ich mir wünsche
Ich möchte mit diesem Projekt keinen künstlichen Raum schaffen, sondern einen echten.
Einen Ort für Gedanken, Geschichten, Entwicklung, Mut und neue Kapitel. Einen Ort für Menschen, die mehr aus ihrem Leben machen wollen, auch wenn ihr Start nicht perfekt war. Einen Ort, der nicht vorgibt, dass Wachstum geschniegelt, fehlerfrei und immer schön aussieht. Denn das tut es meistens nicht.
Und vielleicht beginnt etwas Grosses genau dort, wo wir uns lange nicht getraut haben, wirklich anzufangen. Nicht irgendwann. Nicht wenn alles perfekt ist.
Sondern jetzt. Mitten im echten Leben.
Ein grosses Leben beginnt selten mit perfekten Voraussetzungen.
Iria Lacarta


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